Einfuhrverbot von Listenhunden nach Deutschland

Weihnachten naht und der Hundehandel boomt

03. Oktober 2020

Da ich an der Grenze arbeite sehe ich immer wieder Hunde die nach Deutschland eingeführt werden sollen, dafür aber entweder zu jung oder nicht geimpft sind.

Es gibt 2 Arten von Leuten die in unsere Kontrollen geraten:


  • Einmal der Händler, der einen oder mehrere Hunde dabei hat um sie zu Verkaufen. Da der deutsche Markt aber schon übersättigt ist, stellt Deutschland eigentlich nur ein Transitland dar, die Hunde sollen dann weiter in unsere Nachbarstaaten verbracht werden.


  • Zum anderen treffen wir auf naive Hundebesitzer, die dieses Tier eben aus dem Kofferraum für 200,00 € gekauft haben und sich nichts dabei dachten. (Ich selbst kann nicht nachvollziehen, wie man so blauäugig sein kann um zu glauben, dass das ein seriöser Verkäufer ist, doch das soll jetzt hier nicht Thema sein)




Was passiert in so einer Kontrolle zunächst? Wie muss der Hund für die Reise nach Deutschland „ausgestattet“ sein?


Wir prüfen: 

EU – Heimtierausweis

EU – Gesundheitsbescheinigung TRACES

Ist das Tier gesund und wie wird es transportiert

Hund muss min 15 Wochen alt sein (es müssen min 21 Tage zwischen der Tollwutimpfung und der Einreise nach Deutschland liegen - frühestes Alter für eine Tollwutimpfung sind 12 Wochen nach EU-Standard)

Die Einfuhr von Listenhunden ist verboten

Jetzt ist der Hund zu jung oder ist nicht geimpft, was passiert?

Er wird sichergestellt und an das Tierheim gegeben, da kommt er erstmal in Quarantäne.

Da wird er dann so weit notwendig medizinisch versorgt, Impfungen werden nachgeholt und muss dort so lange verweilen, bis er alt genug ist bzw. bis die Impfstoffe wirken.


Nach dieser Zeit wird der Hund wieder vermittelt. Es wird geprüft, ob es sich bei der Person, die das Tier einführen wollte, um den tatsächlichen Besitzer handelt oder um einen Händler.


Wenn sich herausstellt, dass es sich um jemanden handelt, der den Hund wirklich haben wollte, aber eben auf einen Händler herein gefallen ist, bekommt diese Person die Möglichkeit das Tier zurück zu holen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die angefallenen Kosten im Tierheim (Arzt, Futter etc.) beglichen werden.


So werden bei der Kontrolle gern mal Sicherheitsleistungen erhoben, um diesen Unterhalt des Hundes finanzieren zu können und nicht alle Kosten am Tierheim hängen bleiben. Zudem kann von diesem Geld auch das Strafverfahren gesichert werden.

Bei einem kranken Tier können diese Kosten den eingenommenen Betrag weit überschreiten.

Von welcher Krankheit spreche ich hier eigentlich?

Natürlich neben Flöhen, anderen Parasiten oder Durchfall den diese Tiere meist mitbringen tragen die ganz Kleinen häufig den Parvovirose in sich.


Auch erwachsene Hunde können diese Krankheit bekommen, auch Hundeseuche genannt, doch durch die schlechte Haltung sind oft Welpen davon betroffen und nicht selten nimmt das Ganze dann auch einen tödlichen Verlauf.


Bevor die Tiere verkauft werden sollen, wird ihnen nochmal Cortison gespritzt und sie werden ein wenig sauber gemacht, damit sie auch für den neuen Käufer gut aussehen.

Lässt die Wirkung des Medikaments jedoch nach bricht sehr schnell die Krankheit aus und der Hund bekommt schlimmen, blutigen Durchfall – Es werden Dünndarm, Knochenmark und Milz befallen und muss schnell professionell behandelt werden um das arme Wesen noch zu retten.

Man kann im Groben zwischen Ordnungswidrigkeiten und Straftaten unterscheiden.


Im Gesetz steht, unter anderem, dass einem Tier kein körperliches Leid oder Schmerz zugefügt oder es gar getötet werden darf.

Ist bei der Kontrolle ersichtlich, dass es dem Hund nicht gut geht, er schmerzen hat, apathisch oder gar verendet ist beispielsweise, bewegen wir uns Bereich einer Straftat.


Ist er zu jung (unter 8 Wochen) oder nicht geimpft ist es „nur“ eine Ordnungswidrigkeit.

Das klingt erstmal milder und fast schon als zu mild – aber diese Geldbußen können sich auf mehrere 10.000 € belaufen, was wiederum schon sehr weh tut.


Ich habe Hunde gesehen, die in viel zu kleinen Boxen transportiert wurden, in ihren eigenen Exkrementen saßen und zum Himmel stanken. Manche waren völlig apathisch und haben gezittert und viel zu oft war die Reise zu stressig, die Qual zu groß und sie überleben diese Torture nicht.

Alles in allem ist das ein unglaublich umfassendes und bewegendes Thema, was ich hier nur ein wenig umrissen habe.

Ich habe versucht euch einen kleinen Einblick in die Arbeit auf diesem Gebiet zu geben, denn ich denke, dass ist für die meisten total unbekannt. Menschen die ich kenne würden gar nicht auf die Idee kommen einen solchen Hund kaufen zu wollen.

Viele denken aber wahrscheinlich auch so ein Tier zu „retten“, wenn sie es vom Händler wegholen.. und ja im ersten Moment ist das auch so, doch es ist nur ein Ansporn noch mehr Welpen „zu produzieren“. Da könnte ich jetzt direkt ins nächste Thema übergehen, doch das würde zu weit führen.

Heute sollte sich alles um die Einreise aus dem Ausland drehen.

 Verreisen mit Hund


Weißt du worauf du achten musst?


Grundsätzlich wollen alle Länder den EU-Heimtierausweis sehen, eine Mikrochip-Kennzeichnung und er muss mindestens 12 Wochen alt sein mit der Tollwutimpfung (21 Tage-Frist zwischen Impfung und Einreise).

Besonderheiten in anderen Ländern:

Kroatien

auch hier kommt das Mindestalter von 15 Wochen hinzu und du darfst maximal 5 Hunde mitnehmen

Schweden

zu den Standard Voraussetzungen muss der Hund hier beim Zoll angemeldet werden

Frankreich

zu den grundsätzlichen Bestimmungen soll neben der Tollwutimpfung auch noch ein Vermerk stehen, wann die nächste Auffrischung zu erfolgen hat

"Drittländer"

(wie Schweiz oder Norwegen) wo der Hund sogar 7 Monate alt sein muss

Diese Informationen und viele weitere findest du im Einzelnen nochmal auf hunde-urlaub.net


Ich kann dir nur nochmal nahe legen, dich über die Einreisebestimmungen deines Vierbeiners in ein anderes Land gut zu informieren, damit es auf eurer Reise keine bösen Überraschungen gibt.

Ich hoffe dir hat der Beitrag gefallen, ich wünsche dir und deiner Fellnase alles Gute auf allen Wegen.

Bis zum nächsten Mal, deine Doreen



Einreisebstimmungen Hund nach Deutschland